Výklad Otčenáše "Náš nejmilejší Pán Ježíš" : mystika jako katecheze v pozdně středověkém německém výkladu Otčenáše

Variantní název
Vaterunserauslegung "Unser liebste Herr Jesus" : Mystik als Katechesis in einer spätmittelalterlichen Vaterunserauslegung
Zdrojový dokument: Religio. 2004, roč. 12, č. 2, s. [265]-276
Rozsah
[265]-276
  • ISSN
    1210-3640 (print)
    2336-4475 (online)
Typ
Článek
Jazyk
česky
Licence: Neurčená licence
Abstrakt(y)
Das 15. Jahrhundert ist eine Wandlungszeit der religiösen Literatur. Anstatt der Anweisunge zur persönlichen Erfahrung Gottes, die im 14. Jhdt. im Umkreis der Deutschen Mystik enstanden, werden vor allem Themen als Erlösung, Busse, jenseitiges Leben, Höllenangst, Fegefeuer und Heilssicherung bevorzugt. Die "Mystik" wird popularisiert, d.h. das religiöse Leben wird "heilsam" reglementiert. Trotz dieser Lage tauchen jedoch hin und wieder kleinere Texte auf, die die philosophisch gewurzelte Spiritualität weiterführen. Zu diesen gehört auch die vorliegende Paternoster-Auslegung aus der ersten Hälfte des 15. Jhdts., deren Handschrift auch in der Prager Nationalbibliothek aufbewahrt wird. Der unbekannte Autor dieses Werkes legt eingehend das Herrengebet aus, wobei seine poetische Äusserung auf die ältere Deutsche Mystik erinnert. In dem von uns erwählten Passus widmet er sich dem ersten Teil des Gebetes "der du bist in den Himmeln". Für die Mehrheit der Gläubigen, die nicht imstande sind, die Dinge dieser Welt durchzusehen und das "Sonnenrad des göttlichen Seins" direkt anzuschauen, weil ihre menschliche Natur "klebrig" ist, sei gerade diese Auslegung nötig, die die einzelnen "Himmel" beschreibt. Es werden drei verschiedene Himmel nach dem scholastischen Vorbild vorgeführt: die leiblichen Himmel (Sternenhimmel), die geistlichen Himmel (Empyreum) und die vernünftigen Himmel (wo Gott in sich selber weilt). Dann wird der anschauliche Wert jedes Himmels ausgelegt, d.h. wie man in jedem Himmel eine "Spur" Gottes finden kann, die ihn an Gott hinweist. Der beste Himmel ist aber letztlich Christus: ist ja der Gerechte, der Bibel nach, Himmel Gottes (Sir 1,1; Sap 9,4), so muss der aller Gerechteste, Christus, der höchste Himmel sein, der trotz seiner Höhe und Adel den göttlichen Vater uns vor Augen bringt ("wer sieht mich, sieht den Vater"). Diese Auslegung vereinigt der Autor mit einer poetischen Schilderung: auch Jesus Christus als der höchste Himmel hat seine "Sonne" (göttliche Erkenntnis), seinen "Mond" (Sterblichkeit, Leiden) und seine "Gestirne" (Tugende). Genauso ist bei jedem Menschen seine "Sonne" die gnadenhafte Erkenntnis Gottes, die ihm ab und zu erscheinen kann, der Mond ist dann der reine Glaube, der ihn durch die dunkle Nacht der Anfechtungen, Ängste und und der "Gottesfinsternis" zu führen und ihm zu leuchten hat, wobei seine Tugende erst recht exerziert und geprüft werden. Die Erwähnung "der dunklen Nacht der Seele" knüpft unseren Autor mit einem wesentlichen Thema der Spiritualität Johannes Taulers, die später ausführlicher von Johannes von Kreuz bearbeitet wurde. -- Vorliegende Vaterunserauslegung gehört zu der Gruppe von etwa fünf ähnlich mystisch geprägten Auslegungen in deutscher Sprache, aber "an Konsequenz in der Transformulierung mystischer Gedankengänge auf die Thematik der Vaterunserbitten und an Geschlossenheit in bewußt katechetischer Deutung des Herrengebets werden sie jedoch alle vom vorliegenden Text übertroffen"(B. Adam, Katechetische Vaterunserauslegungen..., 104).
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