"Gründerzeit" ethics in the dramas by Paul Lindau and Richard Voss

Variant title
Die Ethik der Gründerzeit in den Dramen von Paul Lindau und Richard Voß
Source document: Brünner Beiträge zur Germanistik und Nordistik. 2017, vol. 31, iss. 2, pp. 139-154
Extent
139-154
  • ISSN
    1803-7380 (print)
    2336-4408 (online)
Type
Article
Language
English
License: Not specified license
Abstract(s)
In the "Gründerzeit" period (1870–1890), German dramatists promoted the values created in the spirit of the dominant, particularly conservative patriarchal ideology. They were not encouraging critical self-examination of the co-relation of double standard of morality and social repression; theatre arts contributed to creating certain conservative utopias which can be considered in the light of wider political discourse. Only few writers critically approached the philosophy of life of that period and represented the other side of a culture which to a great part was founded on bourgeois values. Here, two authors will be considered in particular: The first is Paul Lindau (1839–1919) who uncritically pampered to the tastes of the public at that time for which he was rewarded by being extremely popular while the other is Richard Voß (1851–1918), an author who troubled the public with his view of justice and morality. While Paul Lindau in his dramas extolled and idealised the world of "Gründerzeit", Voß showed the psychopathic state caused by the suppression of emotions and libido. The dramas by Paul Lindau (Marion, Maria und Magdalena) and Richard Voß (Alexandra, Eva) can be viewed in the light of the political discourse which was present in theatre of that time; "Gründerzeit" ethics in them show their front and flip side, power and weakness, hypocrisy and social conditioning.
Während der Gründerzeit (1870–1890) standen die Werke deutscher Dramatiker im Zeichen einer dominanten und äußerst konservativen patriarchalen Ideologie. Die Theaterkunst trug dazu bei, eine gewisse konservative Utopie zu schaffen, die in einem breiteren politischen Diskurs zu sehen war. Nur wenige Dramatiker setzten sich mit dem Weltbild jener Zeit kritisch auseinander und zeichneten das wahre Gesicht einer Kultur, die in vielen Bereichen auf einer bürgerlichen Moral fußte. Die vorliegende Arbeit befasst sich vor allem mit den Werken zweier Autoren: Paul Lindau unterwirft sich kritiklos dem Geschmack des damaligen Publikums, was ihm große Popularität einbringt, Richard Voß dagegen beunruhigt die Zuschauer mit seiner Darstellung von Gerechtigkeit und Moral. Während Paul Lindau in seinen Dramen das Weltbild der Gründerzeit verherrlicht und idealisiert, deutet Voß auf die psychopathologischen Missstände, welche aus der Unterdrückung von Emotionen und Libido resultieren. Die Dramen von Paul Lindau (Marion, Maria und Magdalena) und Richard Voß (Alexandra, Eva) können im Lichte des politischen Diskurses in der Dramatik jener Zeit gesehen werden; die Ethik der Gründerzeit zeigt in den Dramen dieser Autoren ihr Gesicht und Gegengesicht, ihre Stärke und Schwäche, Heuchelei und Gebundenheit an gesellschaftliche Konventionen.
Document
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